Projekt Nachhaltige Bewirtschaftung durch Balkenmäher

09.07.2022

Geänderte Mähmethode von Wiesen zum Schutz von Tieren, Insekten, Bodenbrütern, Wiesenblumen 

Ein besonderes Anliegen der Stiftung ist es, dem derzeit stattfindenden Insektensterben entgegen zu wirken. Dies soll durch eine geänderte Mähmethode und Mähzeit im Jahr erreicht werden, wodurch nicht nur die im Gras lebenden Insekten vor dem Mähtod bewahrt werden, sondern auch die anderen im Gras befindlichen Tiere und Bodenbrüter.

Die beiden Bilder zeigen zwei zurückgekehrte Schmetterlinge 

Durch das Aussamen der Blumen vor dem Mähen werden die Wiesen blumenreicher und dienen so wieder vielen Insekten als Nahrung. Gleichzeitig lässt sich mit dem blumenreichen Heu ein für Pferde bestens geeignetes, begehrtes Futter herstellen, das immer seltener den Pferdehaltern angeboten wird.

Die verfolgten Ziele des Projekts mit der geänderten Mähmethode sind:

  • Bewahrung der im Gras lebenden Tiere und Insekten sowie der Bodenbrüter vor dem Mähtod.
  • Die Sicherstellung des Aussamens der Wiesenpflanzen vor dem Mähen zur Vermehrung der Wiesenpflanzen und einer dadurch erreichten Verbesserung des Nahrungsangebots der Wiesen für Tiere, Vögel und Insekten mit dem einhergehenden Verzicht auf jegliche Düngung und den Einsatz von Pestiziden auf den Wiesen.

Damit lassen sich nachhaltig erreichen:

  • Die Wiederherstellung und der Erhalt von Lebensräumen für Tiere, Vögel und Insekten.
  • Eine Chance für die Rückkehr schon verschwundener Fauna und Flora.
  • Die Wiederherstellung und der Erhalt einer typischen regionalen naturnahen Landschaft.

Die angebotenen Bilder in der Bildergalerie, aufgenommen auf den so veränderten Wiesen der Stiftung, beweisen, dass auf diese Weise die Vögel, Insekten und Pflanzen zurückkehren.

Nachfolgender Text zum Anklicken

Die hauptsächlichen Ursachen für das Abnehmen der Artenvielfalt und der großen Insektenverluste sind:

  • Die Beseitigung von Feldgehölzen, Hecken und Feldrainen durch die zurückliegende, wenig durchdachte Flurbereinigung;
  • Die übermäßige Gülleausbringung auf Äckern und Wiesen, bedingt durch das ständig angewachsene Gülleaufkommen in der Viehwirtschaft;
  • Die Verwendung von zu viel Pestiziden in der Landwirtschaft;
  • Der Versuch mit chemischer Düngung den Böden möglichst hohe Erträge abzuverlangen, oft mehrere Ernten im Jahr.
  • Die Art, der Umfang und die Zeit des Einsatzes moderner Agrartechnik in der Landwirtschaft mit dem Ziel der Ertragsoptimierung ohne Rücksicht auf die Natur.
  • Das Austrocknen großer Flächen ohne schattenspendenden Bewuchs angesichts zunehmender Dürreperioden mit starker Sonneneinstrahlung.

Die vom Menschen verursachten Eingriffe ohne Rücksicht auf die Natur lassen sich mit der von der Stiftung verfolgten Vorgehensweise und Mähmethode zum größten Teil korrigieren.


Kurze Darstellung der Voraussetzungen und anfallenden Phasen der Veränderungen:

Bevor die Vorteile des Projekts zum Tragen kommen, werden von der Stiftung in einem ersten Schritt die durch Kauf oder Pacht erworbenen Flächen als naturnahe Wiesen wiederhergestellt.

Um dies zu erreichen, wird unter Verzichtet auf Düngung und den Einsatz von Pestiziden auf den feucht gehaltenen Flächen mit liegen gebliebenem gemähten Gras eine blumenreiche Grassamen Mischung zum Anwachsen ausgebracht. 

Nach dem Anwachsen des ausgebrachten Samengemisch auf dem feucht gehaltenen Boden wird der Wiese Zeit für die Entwicklung von Gräsern und Blütenpflanzen verschiedener Art gegeben, so dass sich auch die Kreisläufe im Mikrokosmos der Wiese wieder bilden können.

Nachdem der Mikrokosmos mit seinen Kreisläufen wiederhergestellt ist und die Wiese reichhaltigen, blumenreichen Bewuchs aufweist, kehren auch die Vögel und Insekten wieder zurück, die auf diese Nahrungsangebote angewiesen sind.

Nun erst kommt die Mähmethode der Stiftung zum Erhalt der Blumen und Gräser und zum Schutz der auf der Wiese lebenden Insekten zum Einsatz.

  • Als erstes wird der Mähzeitpunkt der Wiese im Jahr so gewählt, dass sich die Wiesenpflanzen aussamen konnten, die Setzzeiten von Hasen und Rehwild beachtet wurden und der Nachwuchs der Bodenbrüter die Gelege inzwischen verlassen hat.
  • Dann wird mit einem Balkenmäher und ggf. angebrachtem Wildretter mit einer geringen Geschwindigkeit von maximal 15 km/h die Wiese gemäht, so dass die im Gras befindlichen Insekten und Tiere nicht getötet werden.

Die Vorteile dieser Mähmethode:

  • Die Wiese kann durch den Menschen jetzt wahlweise, entweder extensiv als Weideland, oder als Wiese zum Mähen für hochwertiges Heu als Viehfutter genutzt werden. Besonders Pferdehalter sind an solchem Heu als Futter für ihre Pferde interessiert. Das Mähgut wird durch getötete Lebewesen beim Mähvorgang nicht verschmutzt.
  • Durch das mögliche Aussamen der Wiesenblumen und Gräser vor dem Mähen können sich diese ausbreiten und vermehren. Artenreiche Wiesen mit typischem Bewuchs für die Region wie z. B. Magerwiesen, Bergwiesen und Feuchtwiesen entstehen wieder.
  • Durch einen spät gelegten Mähzeitpunkt der Wiese finden keine Mähverluste von im Gras verborgenen Rehkitzen, Junghasen, Fasanen, Rebhühnern und bodenbrütenden Singvögeln, wie Lerche oder Grasmücke statt. Die Absuche der Wiese mit einer Drohne oder einem Jagdhund vor dem Mähen kann dadurch entfallen.
  • Den im Gras verborgenen Insekten wird durch die langsame Mähgeschwindigkeit die Möglichkeit zur Flucht gegeben, so dass auch sie dem Mähtod in den sonst üblichen anschließenden Plastik-Silage-Ballen entgehen.
  • Während gebräuchliche rotierende Mähsysteme als Scheiben- oder Trommelmäher das Gras zerschlagen bzw. abreißen und Kleinstlebewesen durch Sogwirkung in erheblichem Umfang vernichten, vermeiden Balkenmähwerke diese Nachteile. Das Gras wächst schneller nach. Zum Vergleich war eine angrenzende Wiese am gleichen Tag mit herkömmlichem Scheibenmähwerk gemäht worden. Nach 14 Tagen lag die Zuwachsrate auf der Balkenmäher-Fläche bereits um 15 mm höher.
  • Ein Nachschärfen der Doppelmesser ist erst nach rund 20 ha erforderlich. Die heutigen Doppelmesser-Mähwerke verstopfen kaum und weisen eine leichte Bauweise und einen geringen Kraftstoffverbrauch auf.
  • Traktoren mit 30 PS reichen zum Mähen mit dem Balkenmäher bereits aus, was eine geringere Bodenverdichtung zur Folge hat.
  • Seit 2023 wird durch die Untere Naturschutzbehörde das entsprechende Mähen von Vertragsnaturschutzflächen auf Antrag mit 130 €/ha gefördert.

Die Nachteile dieser Mähmethode:

  • Durch die langsame Mähgeschwindigkeit und die verringerten Ausmaße des Balkenmähers braucht ein Landwirt zum Mähen einer Wiese mehr Zeit. Das Mähen einer etwa 1 ha großen Wiese dauert etwas über eine Stunde.
  • Rund 13.500 € sind für ein mechanisch angetriebenes Balkenmähwerk zu veranschlagen.
  • Nicht für alle Traktoren wird ein solcher Balkenmäher von ca. 2.7 m Breite als Zusatzgerät angeboten.
  • Der Landwirt ist wieder weitgehend von geeignetem Wetter zum Mähen und Einbringen der Heuernte abhängig. Die Grasernte für Silage Gewinnung braucht sogar etwas feuchtes Gras, wodurch ein Mähen fast zu jeder Zeit für den Landwirt möglich ist, im Gegensatz zur Heuernte.
  • Durch den Wegfall von Düngung und Pestiziden verringert sich der Ertrag auf den Wiesen und es kommt u. U. nicht mehr zu zwei Schnitten. Auf die Nahrungsbedürfnisse von Wild, Vögeln und Insekten muss der Landwirt keine Rücksicht nehmen. Was aber geschieht, wenn das nicht mehr passiert, demonstriert er mit dem Anbau von Raps und Maisfeldern, die den Feldhasen, Fasanen und Rebhühnern keine Nahrung mehr bieten. Die Folge ist eine eintönige Landschaft ohne viele Lebewesen.
  • Staatliche Subventionen und die Ausnutzung von Förderquoten stehen bei dieser Mähmethode nicht mehr im Vordergrund und können ggf. wegfallen.
  • Die Heuernte erfordert trockene Lagerorte im Gegensatz zur Lagerung von Silage Futter.
  • Die Mähmethode führt zu mehreren zeitlich getrennten und wetterabhängigen Arbeitsschritten, während die Grasernte zum Mähen einer Wiese für Silage Gewinnung sich mit einem einzigen Arbeitsgang erledigen lässt.

Nachstehende Bilder verdeutlichen die Insekten schonende Mähmethode der Stiftung 

Die zeichnerische Darstellung zeigt die erforderliche Ausrüstung eines Traktors mit einem Balkenmäher und einem Wildretter.
Die zeichnerische Darstellung zeigt die erforderliche Ausrüstung eines Traktors mit einem Balkenmäher und einem Wildretter.

Auf die Anbringung eines Wildretters kann bei günstig gewählter Mähzeit im Jahr verzichtet werden. 

Während gebräuchliche rotierende Mähsysteme als Scheiben-oder Trommelmäher das Gras zerschlagen bzw. abreißen und Kleinstlebewesen durch Sogwirkung in erheblichem Umfang vernichten, vermeiden Balkenmähwerke diese Nachteile. Peter Michels wollte es genau wissen und ließ im Oberen Sorpetal die dem Vertragsnaturschutz unterliegenden Wiesen der Stiftung von einem 2,4 m breiten Balkenmesser abmähen.

Nebenerwerbslandwirt Gottfried Srajek aus Elleringhausen benötigte bei schonender Fahrweise rund 1 Stunde für 1 Hektar. Ein Nachschärfen der Doppelmesser sei erst nach rund 20 ha erforderlich, wie er erklärte. Traktoren mit 30 PS reichten bereits aus, was eine geringere Bodenverdichtung zur Folge hat. Und das Gras wächst schneller nach: Eine angrenzende Wiese war am gleichen Tag mit herkömmlichem Scheibenmähwerk gemäht worden - nach 14 Tagen lag die Zuwachsrate auf der Balkenmäher-Fläche bereits um 15 mm höher.

Rund 5.500 € sind für ein mechanisch angetriebenes Balkenmähwerk zu veranschlagen. Ab 2023 wird die Untere Naturschutzbehörde das entsprechende Mähen von Vertragsnaturschutzflächen auf Antrag mit 130 €/ha fördern.